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Harte, schöne Bauernarbeit "Denn wäre nicht der Bauer, so hättest Du kein Brot" (Adalbert v. Chamisso)
So schwer die Arbeit des Bergbauern auch sein mag, so schön ist sie in der Großartigkeit ihrer verschiedenen Tätigkeiten.
Kein Wunder, daß Heimatfilme gerade bei der städtischen Bevölkerung solchen Anklang finden. Es sind nicht nur die hohen Berge und die Täler, die gefallen und nicht nur die Menschen darin, sondern auch ihr Schaffen und Wirken.
Ich bewundere auch heute noch die tänzerische Eleganz des Mähens mit der Sense eines "Könners". Das "Wetzen" mit dem
Wetzstein, den man im "Kumpf" mitträgt, muß auch gelernt sein. Die spielerische Leichtigkeit, mit der es ausgeführt wird, gehört dazu. Welche Ruhe strömte es aus, wenn dann am Abend die
Sensen für den nächsten Tag "gedengelt" wurden, bedächtig und genau traf jeder Hammerschlag die "Schneid der Segasa" (Sense), die am Dengelstock auflag.
Wenn das Tal mit Tausenden von "Hanza" (Heumännchen) bedeckt ist, verändert der Bauer die ganze Landschaft. Wie die Blüten der
"Zeitlosen" (Krokusse) geben sie der Natur ihr Gepräge und erzählen vom Fleiß der Bewohner; jedem einzelnen dieser "Männchen" muß mit einem eigenen Eisen ein Loch in die Erde
gebohrt werden, jeder einzelne von ihnen muß kunstvoll mit Heu beladen werden.
Beim Heuen imponiert mir immer wieder die Kunst, einen" Pintl" erst einmal zu "machen" und ihn, mit gekonnt
ausgelegten Seilen, so zu binden, daß er beim Tragen nicht auseinanderfällt. Dann die raffinierten Bewegungen beim Aufnehmen des Heubündels aus sitzender Stellung mit dem
"sacktuchbedeckten" Kopf, das "Sich-Drehen" beim Aufstehen und das Suchen und Finden des Gleichgewichts!
Die Frauenrechen den "Pintl" sauber,und mit immer sicherer werdenden Schritten, ein Bild von unbändiger Kraft, geht's dem
oft weit entfernten Heustadel zu; über Stiege oder Leiter hinauf bis zum "Bahra", wo alles mit einem erlösenden Ruck abgeworfen wird. Man braucht schon Energie und Durchhaltevermögen, dies
mehrere Tage durchzuhalten.
Das alte"Dopingmittel", einen "Supf' (Schluck) Schnaps mit reinem Quellwasser bei jedem Gang, hat sich seit
Jahrhunderten bewährt. Wenn dabei an so einem Tag ganz erhebliche Mengen "derpackt" werden, tut dies der Leistungsfähigkeit "nuit" (nichts).
Das Kornschneiden mit der Sichel und das anschließende Schwingen der Garben, um sie abzulegen, gehört mit dem Mähen zu den harmonisch
schönen Arbeiten im Bauernjahr.
Dann hörte man im ganzen Dorf die dumpfen Schläge der Drescher. Fast bin ich geneigt zu sagen, wer nicht tanzen kann, kann nicht
dreschen, je nach Anzahl der Personen mußten die "Flegel" (es gab solche, die mit dem Stiel fest verbunden waren und solche, die an einer Schnur hingen) genau im Dreiviertel-,
Viervierteltakt usw. auf das am Tennen liegende Getreide geschlagen werden; wer da aus der Reihe tanzte, brachte die anderen unweigerlich aus dem Rhythmus und wurde verjagt.
Nie vergessen werde ich die Ungetüme von Windmühlen, wie Lippa Hannes, unser Nachbar, eine hatte, in denen dann das Korn gereinigt wurde.
In ihren gewölbten Holzbäuchen erzeugte man durch Drehen eines aus vielen Schaufeln bestehenden Rades einen Wind, der die leichten Teile des Getreides von den schweren trennte. Den Staub, der aus
diesen Apparaten dann herauskam, würde heute niemand aushalten.
Die Kunst, einen Krauthobel richtig zu bedienen, beherrscht heute kaum einer mehr. Im benachbarten Montafon zogen dafür wandernde
Krautschneider von Haus zu Haus; wir liehen diesen Hobel aus und schnitten die auswärts gekauften Krautköpfe selbst. Das "Einstampfen", barfuß im Faß, verlangte Ausdauer und Gefühl. Gutes
"Sauerkraut" herzustellen war eine ähnliche Kunst wie richtige Knödel zu machen.
Das Bauernjahr lief in der Jugend durch die Nachbarn so hautnah bei uns ab, daß auch wir von ihm geprägt wurden. Feld, Wald und Wiesen
und ihre Arbeit boten sich als unterhaltsame Beschäftigung an, Stall und Stadel dienten als Spielplatz, Glück und Unglück im Dorf betrafen uns mit. Ohne Gefühlsduselei sei an diese Zeit gedacht!
Mit freundlicher Erlaubnis dem Buch von Dr. Walter Köck: “Ins Paznaun gschaut” Raggl - Landeck 1992 entnommen.
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