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Dies ist eine kurze Information zu der Frage, WAS AN DIESER STATION ANDERS IST als in manchen anderen
Häusern für alte Menschen.
Es genügt heute nicht mehr, nur Hotelleistungen für ältere Menschen anzubieten! Wer heute mit alten Menschen fachlich korrekt arbeiten
möchte, der muss wissen, dass die Menschen heute älter werden, als es ihre Seele verkraftet! Er muss ferner wissen, dass der Geist zwar stirbt, jedoch nicht das Gefühl!
Das aber heißt, dass moderne psychogeriatrische Pflege vor allem am Gefühlsleben des alten Menschen
orientiert ist. Die psychobiographischen Pflege nach Böhm berücksichtigt uralte Gewohnheiten und die sehr persönliche Art, wie diese Menschen mit dem Leben fertig geworden sind (In der
Fachsprache spricht man hier von so genannten „Copings“, oder „Lebens-bewältigungs-strategien“.)
Eine reine, grundpflegerische Betreuung (der Patient wird vom Personal gewaschen, er bekommt zu essen, wird angezogen
usw.) ist nach unseren Erkenntnissen nur im akuten Krankheitsstadium angebracht. Diese Pflegeform ist jedoch regelrecht kontraindiziert (bewirkt etwas Negatives), wenn wir sie dem alten Menschen zulange
angedeihen lassen. Sie ist sogar gegen den Lebenstrieb gerichtet und schadet dem alten Menschen, indem sie ihn zunehmend schwächer, abhängiger und hilfloser macht. („Warm-Satt-Sauber-Pflege“
)
In dieser Station erhalten auch alte Menschen mit psychischen Störungen eine angemessene Betreuung!
Selbstverständlich erhalten in unserer Station alte Bewohner mit typischen körperlichen (somatischen) Altersproblemen und
-gebrechlichkeiten eine fachgerechte grundpflegerische Betreuung. Andererseits wird aber auch die stets wachsende Gruppe der altersverwirrten oder sonst wie psychisch auffälligen
Menschen bei uns mit einem modernen und menschenwürdigen pflegerischen Know-how betreut. (Das ist leider nicht überall der Fall.)
Was ist angemessene Betagtenpflege?
Schon 1985 forderte Erwin Böhm, dass die klassische Methode der Pflege durch neue, angemessenere Ansätze ergänzt werden müsse.
Heute gibt ihm die Novellierung des Österreichischen Krankenpflegegesetzes durch die Erhöhung des eigenständigen Aufgabenbereichs in der
Pflege, die durch sein Modell gerechtfertigt wird, auch offiziell recht!
WIR betreuen unsere Bewohner nach dem Pflegemodell nach Böhm und „reaktivieren“ unsere
Betagten, indem wir zuerst die Seele wiederbeleben und den Lebensdrang des alten Menschen unterstützen.
Wir schauen erst in zweiter Linie auf die Bewegung der Beine, denn:
„Nur ein Mensch der seelisch lebt, bewegt auch (freiwillig) seine Beine!“
Wir betreuen daher die Menschen ... und nicht etwa ihre Betten! Dies gelingt uns nur, indem wir eine seelische Wiederbelebung
aufgrund der einstigen Lebensantriebe der alten Menschen anstreben.
Das Ziel der Station ist somit, Symptome wie Verwirrtheit, Rückzugs- und verfrühte Sterbenswünsche, Weinerlichkeit, lautes nächtliches Schreien, Wahnsymptome
und ähnliches zu vermeiden oder zu lindern.
Wir erheben bei allen psychisch gestörten Menschen die gefühlsbetonte Biographie und versuchen
über diesen Weg heraus zu finden, was diesen Bewohnern immer schon wichtig war. Wir fragen uns, wie wir ihre abgenutzte Batterie wieder aufladen können. Wir erforschen, was sie in ihrer
Kindheit gefühlsmäßig erregte oder welche Genüsse und Sinnesfreuden sie motivierten.
Denn erst aus diesem Wissen heraus kann psychobiographische Pflege nach Böhm stattfinden
Viele Jahrzehnte war es in der Altenpflege üblich, die sogenannte Irreversibilitätstheorie
zu vertreten, Man vertrat also den Standpunkt, dass auffällige Alterserscheinungen, wie Vergesslichkeit, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen usw. beim alten Menschen nicht mehr rückgängig zu machen seien.
Aus dieser falschen Ansicht heraus entwickelte sich eine ganz bestimmte Pflegeauffassung nach dem Motto: Da man mit den Alten sowieso
nichts mehr anfangen kann und ihre Zahl außerdem ständig zunimmt, brauchen wir immer mehr Heime, in denen sie „möglichst gut betreut“ werden. Das Personal dieser Heime hatte
folgerichtig Aufgaben des Putzens, Waschens, Fütterns usw. zu erfüllen.
Mittlerweile ist die Irreversibilitätstheorie völlig überholt. Obwohl ein im Alter vorhandener Gehirnabbau tatsächlich nicht mehr gut zu
machen ist, weiß man andererseits, dass damit zusammenhängende Symptome wie Verwirrtheit, Aggressivität oder Depression sehr wohl positiv beeinflusst werden können.
Hierbei spielt insbesondere die Umgebung und das Verhalten des Pflegepersonals eine große Rolle.
Heute haben die Pflegepersonen daher vor allem die Aufgabe, die Psyche des alten Menschen wiederzubeleben. In der modernen
Pflege findet also keine „Verwahrung“ sondern viel eher eine gezielte Belastung nach den jeweiligen, sich aus der Biographie ergebenden Möglichkeiten des alten Menschen statt.
Seien Sie also bitte nicht verwundert, wenn Ihren Angehörigen nicht immer alles abgenommen wird. Auch wenn man das ganz natürliche
Empfinden hat, der alte Mensch müsse unbedingt „geschont“ werden, tut diese Form des Mitleids diesem Menschen nichts Gutes.
Es ist also nicht verwunderlich, dass unsere Bewohner in ihrem eigenen Interesse bei der Pflege mithelfen oder kleine Arbeiten
verrichten, statt zu basteln. Unsere Pflege berücksichtigt bei allen Handlungen und Impulsen das “Normalitätsprinzip”
Das NORMALITÄTSPRINZIP:
Prof. Erwin Böhm spricht vom „NORMALITÄTSPRINZIP“ und meint damit, dass man immer wieder fragen muss, was in der
Jugend oder im frühen Erwachsenenalter der heutigen alten Menschen „normal“ oder „üblich“ war. Gemeint sind moralische Wertvorstellungen ebenso, wie ganz banale
Alltagsgewohnheiten, die das normale Leben einstmals bestimmten. Man muss bedenken: Der alte Mensch lebt zunehmend in der Normalität von Gestern,und was gestern vielleicht
„normal“ war, kann heute z.T. sehr befremdlich wirken.
Unsere Pflege „holt den alten Menschen dort ab“, wo er gefühlsmäßig gerade lebt, und das ist meist in seiner positiv oder negativ
getönten persönlichen Vergangenheit. Zur Reaktivierung aber auch zur Symptomlinderung wird von uns die momentane Situation und Befindlichkeit des Bewohners von seinem individuellen
Prägungszeitraum (ca. 1910-1940) her interpretiert.
Dieser Artikel entstand in Anlehnung an eine von Erwin Böhm herausgegebene Informationsbroschüre.
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